Dauerhaftes Reisen mit Kindern – ein Interview mit der Familie Wendt

Auf Staatenlos wollen wir immer mal wieder Erfahrungsberichte von Leuten bringen, die ein „Leben aus dem Koffer“ führen. Insbesondere Familien – die Padmams haben wir bereits interviewt – können ein gutes Beispiel bieten, das trotz mehreren Kindern Reisen alles andere als unmöglich ist.

Für heute habe ich mich Benjamin Wendt und Familie gesprochen. Sie sind seit einen Jahr mit 4 Kindern im Wohnmobil in Europa unterwegs gewesen, ehe sie sich momentan wieder im Elsaß niedergelassen haben. Dort können sie ihre Kinder nämlich aus den Fängen des deutschen Schulsystems befreien, während Benjamin weiter in Deutschland arbeiten kann.

 

Denn – wie manche Leser zurecht im letzten Artikel kritisierten – muss man sich so eine Reise ja auch irgendwie leisten können. Mit einem Angestellten-Job in Deutschland und Elternpausen, einen in der Zeit aufkeimenden Online-Business und sparsamen Leben ist es aber sicher eine Möglichkeit.

 

Angedacht ist aber auch die „Staatenlosigkeit“. Seit Wochen organisieren sie deshalb einen großen Online-Kongress um ihre Erfahrungen über das Reisen als Familie zu teilen. Sie haben sich echt viel Mühe gegeben und auch Inhalte von Staatenlos in ihr Kongress-Programm aufgenommen. Weil der Kongress selbst kostenfrei ist und sehr viel Mehrwert haben wird, möchte ich ihn interessierten Lesern an dieser Stelle empfehlen. Kosten fallen nur beim Kauf des Kongress-Paketes an, wenn man an den Tagen nicht teilnehmen kann.

Insofern möchte ich dazu ermuntern, sich ihren Familienreise-Kongress einmal näher anzuschauen. Wer selbst Kinder hat und dauerhaft reisen oder gar „staatenlos“ werden möchte, der findet dort eine Fülle an hilfreichem Material.

Mehr über die Geschichte der Familie Wendt und ihren Kongress erfahrt ihr im folgenden Interview.

 

1. Ihr seid über ein Jahr mit 4 Kindern zusammen in Eurem Wohnmobil gereist. Wie ist es dazu gekommen?

Der Wunsch zu Reisen war schon lange da. Und mit der Schwangerschaft mit Kind Nummer 4 stellten wir uns die Frage – Elternzeit? Nutzen? – eigentlich gab es da für uns keine andere Wahl Es war nur eine Frage der Umsetzung und des „WIE“? Nach vielen Plänen und Ideen auf vielen großen Postern haben wir uns entschieden und ein altes Wohnmobil gekauft, mit allem was an so einer Entscheidung dranhängt (auch ein Lernprozess…) – innerhalb von 5 Monaten haben wir das dann schick gemacht, komplett innen renoviert und sehr viel Zeit und auch Geld investiert um es in unser zu Hause zu verwandeln.

 

2. Was ist die spezielle Herausforderung bei der Reise mit Kindern?

Ich weiß nicht ob es spezielle Herausforderungen beim Reisen mit Kindern gibt… Im Prinzip bleibt ja alles wie es ist, nur die Umstände ändern sich. Also wer schon im „normalen“ Alltag mit seinen Kindern überfordert ist, der wird es sich auf Reisen nicht leichter machen. Eine Reise mit Kindern kann wunderschön sein, man kann buchstäblich die Welt mit Kinderaugen sehen. Aber die Erfahrungen die man unterwegs machen kann stehen und fallen mit einem Selbst. Es ist letztlich ein großartiges Sprungbrett für die innere Entwicklung, ein Katalysator.

 

3. Jetzt lebt ihr im Elsass, Frankreich. Warum gerade dort?

Wir wollen mittelfristig ortsunabhängig arbeiten. Für unseren Weg gehört diese Phase jetzt dazu. Wir hatten nach der Reise viele Möglichkeiten, und haben uns dann einfach fürs Elsass entschieden, weil wir hier sowohl Benjamins Job als auch unsere Freiheit und das Freilernen der Kinder miteinander verbinden können.

 

4. Unterrichtet ihr Eure Kinder selbst? Wie läuft das ab, was sind Eure Erfahrungen?

Puh das ist ein großes Feld, und nicht in einer Antwort zusammenzufassen. Grundsätzlich lehnt sich unsere Haltung an folgende sehr gute Definition an, welche unsere Freunde Doris und Bruno Gantenbein (pro-lernen.ch) erstellt haben: Sie nennen es Unschooling, wobei auch schon dieses Wort missverständlich sein kann, denn wir haben nichts gegen die Schule. Für viele ist sie ein guter Weg. Nu unserer ist es nicht. „Unschooling……. ist ein vom Kind geleitetes Lernen im normalen Wohn- und Lebensumfeld der Kinder, zusammen mit ihren Eltern oder nächsten Bezugspersonen ohne jeglichen Versuch die traditionelle Schule und ihre Lehrpläne nachzuahmen. Es gibt daher keinen geplanten Unterricht oder bestimmte Zeiten am Tag, für die schulähnliche Aktivitäten vorgeschrieben sind. Themen werden behandelt, wenn das Interesse des Kindes es verlangt. Die Eltern – oder die Personen, mit denen das Kind zusammenlebt – sind weniger Lehrer als Unterstützer und Begleiter der Lebens- und Lernprozesse.

Unsere Erfahrungen damit sind wunderbar, aber das ist KEINE Methode. Es ist ein Lebensstil. Und ich/wir haben täglich Freude daran, die nächsten natürlichen Schritte unserer Kinder zu beobachten.

 

5. Viele fragen sich wie sich das Ganze finanzieren lässt. Lebt ihr sehr sparsam? Womit verdient ihr Euer Geld?

Das ist einfach zu beantworten Benjamin geht arbeiten. Wir würden das gern zeitlich reduzieren, doch in Deutschland ist das in großen Firmen noch ein sehr schweres Brett zu bohren… Wir gehen unseren Weg, mal schauen was ich dir nächstes Jahr dazu erzählen kann. Ansonsten klar, versuchen wir konsumreduziert zu leben. Aber das empfinde ich nicht als Einschnitt. Materielle Dinge machen nicht glücklich. Während der 13 Monate Reise haben wir teilweise Elterngeld bezogen und sämtliche laufende Kosten gestoppt (Wohnung aufgelöst etc.)

 

6. Werden die Kinder in die Tätigkeit mit eingespannt? Was machen sie?

Du meinst auf Reisen im Wohnmobil? Hmm, das sollten wir langsam mal anfangen Aber im Ernst, wir haben da (noch?) keine festen Regeln. Sie helfen bei dem was eben anfällt, am meisten helfen sie, wenn sie sich zum Beispiel mit um die kleinen Geschwister kümmern oder ähnliches.

 

7. Wie lässt sich die Arbeit mit den Reisen, Kindern und Co. vereinbaren? Welche Herausforderungen hat das Arbeiten von unterwegs?

Hmm, wir haben ja ganz bewusst entschieden eben nicht total panisch von unterwegs zu arbeiten (dazu war unsere Situation auch beileibe nicht geeignet, mit 4 Kindern unter 7 in einem 3.5t Womo) – unterwegs arbeiten kann man ja auf verschiedenste Weise. Die meisten werden das ja versuchen online zu tun. Da denke ich sind zwei Dinge entschiedend: Punkt 1: Internet, nicht immer leicht zu finden und wenn man zB Videos laden will braucht man ja auch ordentlich Bandbreite. Punkt 2: Organisation im Ablauf mit den Kindern. Man muss da feste Zeiten planen, sonst geht alles drunter und drüber. Außerdem haben wir schon von einigen Reisefamilien gehört, dass sie sich leider die gesamte Reise „versaut“ haben, weil sie beide irgendwie von unterwegs arbeiten wollten… Man muss eine gute Balance finden.

 

8. Ist das ganze für Euch ein dauerhaftes Modell oder wollt ihr wieder „seßhaft“ werden?

Momentane Vorstellung: 6 Monate reisen, den Rest der Zeit an 2-3 Orten verweilen. Da haben wir schon tolle Orte im Blick. (und die sind beileibe nicht so exotisch wie ihr jetzt vielleicht denkt…) – Wir wollen für unsere Familie verschiedene Anlaufstationen auf der Welt, wo wir in Ruhe ankommen können, die Kinder ihre Freunde treffen etc. Wenn du das ein Modell nennen würdest, dann ist das dauerhaft, ja. Will ich 12 Monate im Jahr mit 4 Kindern im Womo reisen, auf mehrere Jahre? Nein. (zumindest nicht im 3.5 tonner) – aber 3 Monate und dann wieder pausieren, JA!

 

9. Ihr veranstaltet einen Online-Kongress um anderen Familien zu helfen ähnliches zu erreichen. Könnt ihr mehr darüber erzählen?

Ja, am 16.4. startet der FamilienReise-Kongress. Wir sind schon sehr gespannt, es wird so tolle Infos und inspirierende Reise.Families geben… Es geht im Ausgangspunkt darum, dass die Elternzeit im Zusammenhang mit dem Elterngeld es vielen Familien möglich macht, den ersten Schritt zu so einer längeren Auszeit oder Reise zu wagen. Und diese Reisen sind so unterschiedlich wie die Familien selbst. Wir haben tolle Sprecher dabei – digitale Nomaden, Wohnmobil-Reisende, Reisen nur mit Fahrrad, oder den Rucksack mit Zelt auf dem Rücken… Wie finde ich gute Flüge? Wo kriege ich Hilfestellungen wenn ich Tickets für eine Weltreise brauche… Tausend Fragen. Wir selber haben vor unserem Start nach genau solchen Infos gesucht, leider gab es das immer nur vereinzelt. Wir wollen das deshalb in diesem Kongress bündeln.

 

10. Welchen Rat hätte man Euch geben sollen bevor ihr mit Eurer Reise angefangen habt?

Puh, schwierige Frage. Das impliziert ja, dass wir jetzt etwas bereuen würden – und dem ist nicht so. Ich glaube einen konkreten Rat hätten wir nicht gebraucht. Aber ein wenig mehr Inspiration, so nach dem Motto „Glaubt an euch – wenn ihr wirklich wollt dann findet ihr einen Weg!“ – das wäre schon schön gewesen.

 

11. Warum sollte man sich für Euren Kongress noch anmelden?

Siehe Frage 9.   Genau deswegen. Die meisten zweifeln doch daran, ob sie sich so etwas zutrauen oder sind sich unsicher über ihre eigenen Ziele. Im Kongress kriegt ihr den Rund-Umschlag, individuell oder vorgeplante und organisierte Reise, in den Norden oder in die Tropen, Europa- oder Fern. Es ist alles möglich. Was ihr tun müsst, ist, euch zu entscheiden – und dann die nächsten Schritte zu gehen!

 

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