Steuerfrei in der ältesten Republik der Welt: San Marino

Staatenlos berichtet heute live aus einem der kleinsten Staaten der Welt. Genauer gesagt ist es das drittkleinste Land Europas – und die älteste Republik der Welt. Während nur Vatikan und Monaco noch winziger sind, kann die kleine Republik San Marino nichtsdestotrotz stolz auf ihre Geschichte sein. Ihre Anfänge sollen bis ins Jahr 301 reichen – und seitdem behauptet sie sich gegen Dutzende von Eroberern, die sie ins große Nachbarland Italien eingliedern wollten. Italien freilich ist auch der einzige Nachbar, dessen Regionen Emilia-Romagna und Marché den Zwergstaat völlig umschließen. So wird natürlich auch Italienisch gesprochen, Wein getrunken und südländische Lebensfreude gelebt. Zumindest den Männern schadet es nicht: San Marino hat die höchste Lebenserwartung der Welt.

Wenn Du schon länger beim Staatenlos-Blog dabei bist, ist Dir meine Affinität für kleine Staaten sicher nicht verborgen geblieben. Nicht nur, aber gerade auch in Europa gibt es sehr viele davon. Fast alle haben eine lange Tradition und wiedersetzen sich der Einverleibung durch die Europäische Union. Man mag frei in sie einreisen können, ein dauerhaftes Leben ist aber oft nicht nur preislich unerschwinglich, sondern auch von den gesetzlichen Rahmenbedingungen sehr schwer. Steueroasen wie Andorra, Monaco, Liechtenstein, die Kanal-Inseln und eben San Marino ziehen die Reichen aus ihren geografischen Breiten.

Persönlich würde ich mir noch viel mehr solcher kleiner Zwergstaaten wünschen. Eine Welt tausender Zwergstaaten wäre das Optimum, wie ich in einem anderen Artikel bereits erläutert habe. Um es eloquent mit dem Philosophen Leopold Kohr auszudrücken:

“Was ….

Sein Buch “The Breakdown of Nations” beeinflusste mich wie kein zweites und ist staatenlose Pflicht-Lektüre. Interessenten lasse ich gerne eine Kopie zukommen.

Doch zurück zu San Marino. Ich bin schließlich nicht nur zum Spaß hier. Ich möchte wissen, wie es sich San Marino lebt. Ob San Marino eine lebenswerte Steueroase ist. Und natürlich, wie viel Geld man mitbringen muss um davon dauerhaft zu profitieren.

Das Preisniveau ist gar nicht einmal so hoch. Außer was die Mieten der sich an einem Berg hochschlängelden Hauptstadt San Marino angeht. Für diese Blicke bis zur etwa 30km entfernten Adria bezahlt man freilich gerne mehr. Aber große Pizzen gibts hier schon für 6€, der Rotwein ist gut und günstig und auch sonst kann man nicht meckern. Die Anreise aus dem 45 Minuten entfernten Strandort Rimini kostete mich 5€.

In der Hauptsaison wird die Stadt von Touristenströmen belagert. Jetzt Mitte November ist immer noch was los, aber überschaubar. Es beginnt schließlich kalt zu werden.

Italienisch lerne ich gerade – bei fließenden Spanisch-Kenntnissen relativ einfach. Dem Dialakt der San Marinesen (ist das richtig?) zu folgen ist freilich schwierig. Englisch, ja selbst Deutsch, Französisch oder Russisch wird hier aber auch verstanden.

San Marino gefällt mir. Es hat jene wohltuende Atmosphäre von Zwergstaaten, die man einmal erlebt haben muss. “Man möchte nur in Ruhe gelassen werden, nicht mitbestimmen” ist das Credo der meisten Reichen in den Steueroasen. Ein Credo, das auch auf San Marino zu passen scheint.

Natürlich ist San Marino kein Ort für junge Leute. Die sind 30km östlich im bekannten Badeort Rimini, in dem auch ich übernachte. Italiens Partymetropole im Sommer könnte man sagen – aber auch jetzt Mitte November ist noch einiges los. Insbesondere Russen scheinen den Adriastrand für sich entdeckt zu haben. Doch San Marino bietet jenes ruhiges, mondänes aber zugleich ländliches Leben in einer Gemeinschaft, die sich über die Jahrhunderte hinweg kaum gewandelt hat. Ein Ort für das Alter also vielleicht. Ein eigenes Weingut ist schließlich mein Ziel für den Ruhestand – und Rotwein in San Marino ist sehr delikat.

Doch welche Bedingungen muss man erfüllen um in San Marino seine Träume erfüllen zu lassen?

San Marino ist schließlich nicht Teil der Europäischen Union, weshalb die Niederlassungsfreiheit nicht gilt. Wie streng sind die Bestimmungen sich im Land niederzulassen? Welche Vorteile bieten sich einem dadurch?

Die Vorteile in San Marino zu leben

San Marino galt bis Januar 2010 offiziell als Steueroase. Die OECD stufte das Land im Jahr 2000 als Steueroase nach Definition des OECD-Berichts von 1998 ein. Im Zuge der verschärften internationalen Bekämpfung der Steuerhinterziehung wurde San Marino im Rahmen des G-20-Gipfeltreffens vom 2. April 2009 in London durch die OECD als Steueroase eingestuft, die sich dem internationalen Steuerstandard in Bezug auf Einkommen- und Vermögensteuern verpflichtet hat, diese aber noch nicht umgesetzt hat. Nachdem das Land im Januar 2010 die von der OECD geforderte Mindestanzahl von zwölf bilateralen Steuerabkommen erreicht hatte, wurde es von der OECD als Staat eingestuft, die die internationalen Steuerstandards weitgehend umgesetzt haben. Seit 23. Dezember 2011 ist das deutsch-san-marinesische Abkommen über die Unterstützung in Steuer- und Steuerstrafsachen durch Informationsaustausch (TIEA) in Kraft. Weiterhin kein bilaterales Steuerabkommen besteht unter anderem mit den Vereinigten Staaten und Italien. So dient San Marino weiterhin als bedeutende Drehscheibe für die Hinterziehung von Einkommens-, aber auch Mehrwertsteuern italienischer Personen und Unternehmen.

Denn wie in den meisten Kleinstaaten üblich gibt es fast keine Steuern. Trotzdem ist San Marino schuldenfrei. Die 2 Millionen Touristen im Jahr auf 30.000 Einwohner spielen dabei sicherlich eine Rolle. Finanzieren tut sich San Marino durch Mehrwert- und recht hohe Importsteuern. Kapitalertrags (5%) und Quellensteuer (Zinsen 13%) ist vorhanden,

Unternehmen werden mit 19% besteuert, klassische Offshore-Strukturen gibt es hier nicht. Auch das Zeitalter der Banken ist spätestens seit 2010 vorbei. Das Bankgeheimnis wurde abgeschafft und San Marino kooperiert mit den Staaten der Europäischen Union. Das kam dem Land teuer zu stehen, mehr als die Hälfte des Vermögens wurde abgezogen und einige Banken des Landes in arge Bedrängnis gebracht. Einheimische Banken agieren nur innerhalb des Landes. Ich ließ mir sagen, für Ausländer gebe es nichts Interessantes in San Marino mehr. Nachprüfen konnte ich es jedoch auch nicht, da bereits am Samstag alle Banken geschlossen hatten.

Wie nach San Marino einwandern?

So wenig San Marino mehr in Offshore-Hinsicht zu bieten hat, so sehr ist es doch immer noch ein potentieller Ort zum Leben. Inbesondere die Hauptstadt San Marino selbst mit ihrer einzigartigen Lage und herrlicher Aussicht bietet sich an, zumindest für ein paar Wochen im Jahr. Denn viel los ist wie gesagt wenig.

10 Tage können sich Touristen so im Land aufhalten. Darüber hinaus ist eine Verlängerung bei der örtlichen Gendarmerie nötig. Diese gilt für 90 Tage und kann jederzeit erneuert werden. Bedingung ist jedoch ein örtlicher Job, entweder unbegrenzt oder saisonal mit mindestens 10 Monaten. Unbegrenzter Aufenthalt muss vom Kongress genehmigt werden. Saisonarbeit steht unter dem Vorbehalt, dass kein geeigneter San Marinese für den Job zu Verfügung steht. Eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung gibt es erst nach 5 Jahren, in denen man sich ununterbrochen im Land aufgehalten hat. Eigentlich also kaum eine Option für die meisten. Eine Möglichkeit für Unternehmer ist sich über die Gründung einer Firma in San Marino selbst anzustellen um so in den Genuss der Arbeitserlaubnis zu kommen, worüber aber letztlich der Kongress entscheidet.

So ist San Marino also doch eher nur ein Kleinstaat, der zwar schön, aber keine Alternative für Steuerflüchtlinge ist. Nicht mehr zumindest. Einem Besuch ist es aber alle mal wert!

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