Warum Offshore-Firmen in Hong-Kong und Delaware Mogelpackungen sind

Schaut man sich bekannte Online-Marketer und Digitale Nomaden an, so fällt auf, dass sie fast allesamt ihre Offshore-Firmen entweder in Delaware, USA oder Hong-Kong haben. Während sie auf das Thema angesprochen meist nur vorsichtig zum Thema offshore raten, können ihre eigenen Konstrukte allein durch ihre Existenz oft einen falschen Eindruck vermitteln. Dafür können sie selbst nichts – denn die Zeiten ändern sich. Was noch vor wenigen Monaten für sie selbst wunderbar funktioniert hat, ist in der schnell-lebigen Welt von heute schnell Vergangenheit.

Bekannte Blogs Digitaler Nomaden wie Planet Backpack, Wireless Life oder Earthcity laufen über eine Hong-Kong Limited. Deren Inhaber haben auch größtenteils zutreffende Beschreibungen des Gründungsprozesses aufgestellt, der in meiner vergangenen Webinare ebenfalls verdeutlicht wird.

 

Menschen imitieren ihre Vorbilder. Davon sind auch Digitale Nomaden nicht gefeit.

 

Dementsprechend ist es kein Wunder, dass viele Digitale Nomaden eine Offshore-Firma in Hong-Kong nachahmen und dann plötzlich eine böse Überraschung erleben. Ohne sich über Alternativen informiert zu haben bekommen sie eine zunehmend nutzlose, teure Firma mit hohem Verwaltungsaufwand. Dass das Thema „Offshore“ darunter besonders leidet, ist in der Folge selbsterklärend.

Ähnlich wie mit einer Limited in Hong-Kong verhält es sich mit einer Limited Liability Company im amerikanischen Bundesstaat Delaware. Während diese in vielen Aspekten einer Hong-Kong Limited überlegen ist, stellt sich auch diese Unternehmensform schnell als Mogelpackung heraus. Mehrere meiner Klienten haben, bevor sie meine Beratung in Anspruch genommen haben, etwa eine meist maßlos überteuerte Delaware LLC gegründet, die sie aufgrund falscher Versprechen von Gründungsagenturen wegen immanenter Nutzlosigkeit doch nicht benutzen können.

 

Doch warum sind Hong-Kong und Delaware nutzlos? Warum habe ich selbst noch vor wenigen Wochen mit Hong-Kong geworben und bin selbst mit einer LLC in den USA vertreten?

 

Warum ich so negativ über Offshore-Firmen in Hong-Kong und Delaware denke, verrate ich Dir in meinem heutigen Artikel. Du erfährst wo die Herausforderungen liegen – wirst aber auch sehen, dass Offshore-Firmen in Delaware oder Hong-Kong in speziellen Fällen weiterhin eine gute Wahl sein können. Für den naiven ortsunabhängigen Unternehmer werden sie jedoch schnell zu Mogelpackungen.

 

Die Herausforderung der Offshore-Geschäftskonten in Hong-Kong

Wir wollen gleich mit der größten Herausforderung anfangen, die sich mittlerweile Gründern in Hong-Kong und Delaware stellt – dem Geschäftskonto für die eigenen Offshore-Firmen. Diese – oder vielmehr der Mangel an diesen – ist der Hauptgrund, dass Delaware und Hong-Kong Offshore-Firmen immer mehr zu Mogelpackungen werden.

 

Doch wo liegt das Problem? Haben Delaware und Hong-Kong nicht eigentlich eine gute Reputation?

 

Eigentlich gibt es kein Problem. Mit einer Hong-Kong Limited zumindest bekommt man weltweit immer noch einfach Geschäftskonten. Aber eben nicht mehr in Hong-Kong.

Und das ist ein Problem, weil einer der ausschlaggebenden Gründe für die Standortwahl meist die soliden Banken in jener Jurisdiktion sind. Viel wichtiger noch ist die Verfügbarkeit von Zahlungsdienstleistern wie etwa Paypal. Paypal in Hong-Kong zu benutzen bringt jedoch nur etwas mit einem Geschäftskonto in Hong-Kong, an das die Gelder auch ausgeschüttet werden können. Anderenfalls gibt es wenige Möglichkeiten sein Geld hin und her zu transferieren.

Zwar sind mehrere Paypal-Konten der gleichen Person möglich, doch gerade bei Geldflüssen aus Steueroasen gehen schnell die roten Lichter an und ein Konto wird eingefroren. Insbesondere, wenn es sich um höhere Beträge handelt. Dementsprechend ist ein Geschäftskonto für jeden ernsten Online-Unternehmer in Hong-Kong Pflicht, wenn er seine Zahlungen selbst statt über Drittanbieter abwickeln will. Deshalb hat er vermutlich Hong-Kong letztlich auch die Präferenz gegeben – und wird mittlerweile enttäuscht.

Warum es fast unmöglich ist mittlerweile Bank-Konten in Hong-Kong zu bekommen hat mehrere Gründe. Bis vor einem Jahr war alles nämlich noch relativ einfach. Zwar war persönliche Anwesenheit und ein professionelles Gespräch mit Business-Plan schon immer die Norm, doch eröffneten Groß-Banken wie HSBC ohne größere Schwierigkeiten ein Geschäftskonto, oft auch für Offshore-Firmen außerhalb Hong-Kongs.

Seitdem, insbesondere aber seit Anfang 2016, zogen HSBC und viele andere Banken ihre Bewerbungskonditionen massiv nach oben. Konnte vorher ein Unternehmen mit 50.000$ Umsatz durchaus mit einem Geschäftskonto rechnen, so muss man es heute (außer bei Aktivitäten etwa in China) unter 500.000$ gar nicht mal erst versuchen. Reichte vorher eine Einlage von 1000$ der Bank aus, so sollten es mittlerweile 100.000$ sein um ernsthaft für ein Privatkonto in Betracht gezogen werden zu wollen.

Über die Gründe des relativ abrupten Anstieges der Anforderungen lässt sich nur spekulieren. Zu tun haben wird dies mit erhöhten Compliance-Anforderungen durch den Automatischen Informationsaustausch, wo gerade kleinere Klienten eher undurchsichtigerer Branchen wie „Internet“ für einen erhöhten Aufwand sorgen. Sieht man dies im Hintergrund massiver Verluste großer Banken am Finanzplatz Hong-Kong wie HSBC und Standard Chartered, so macht eine Begrenzung auf „lohnendes Geschäft“ auch durchaus Sinn. Schließlich sind die Banken durch ihre vormalige Beliebtheit auch mehr als gesättigt mit entsprechenden Neu-Kunden. Auch wenn die Anforderungen auf einmal zehn mal so hoch sind, gibt es immer noch mehr als genug größere internationale Firmen, die diese Kriterien problemlos erfüllen.

 

Kleinere Selbstständige und ortsunabhängige Unternehmer müssen mittlerweile aber draußen bleiben.

 

Mit einer Hong-Kong Limited ist es jedoch weiterhin denkbar ein Konto in z.B. Europa, Karibik oder teils auch anderen asiatischen Ländern zu bekommen. Als eher reputablere Offshore-Gesellschaft bereitet das meist wenig Schwierigkeiten. Das große Ding dabei ist nur, dass eine Hong-Kong Gesellschaft mit Geschäftskonten in einem anderen Land kaum mehr einen komparativen Vorteil zu anderen Lösungen an Offshore-Firmen hat.

Ist das Ganze für Dich weiterhin interessant, so kannst Du in meinem neuen Buch „Weil Dein Geld Dir gehört: mit Offshore-Banking sicher durch die Krise“ viele Anregungen finden, wo es doch noch mit einem Geschäftskonto für Hong-Kong klappt, wenn nicht in Hong-Kong selbst.

Eine Hong-Kong Limited ist aber letztlich vergleichsweise teuer im Unterhalt, muss Buchhaltung machen und Audits über sich ergehen lassen. Fehlende Absetzbarkeit von Rechnungen in vielen Ländern wie Deutschland, ein nicht existentes Doppelbesteuerungsabkommen und die fehlende Nutzbarkeit von Merchant Accounts wie Paypal, Stripe, Braintree oder Paymill ohne Geschäftskonto im Land sorgen für erhöhten Kostenaufwand durch Einsetzung von alternativen Offshore-Firmen Doppelstrukturen.

 

Viel mehr lohnt es sich da gleich eine richtige, vorteilhafte Offshore-Firmen zu gründen.

 

Etwa in Delaware, wie man auf den ersten Blick denken könnte.

 

Die Herausforderungen von Geschäftskonten in Delaware

Auf den ersten Blick ist Delaware sehr viel vorteilhafter als Hong-Kong. Eine Limited Liability Company ist nicht nur steuerfrei solange sie ohne US-Einnahmen bleibt, sie hat auch keinerlei Buchhaltungspflichten. Sie ist weitgehend anonym, sehr flexibel aufzusetzen und kostet mit etwa 500€ jährlich ein Bruchteil von dem, was einen in Hong-Kong erwarten würde. Dank Sitz in den USA sind Konten bei Zahlungsanbietern wie Stripe und Paypal genauso wenig ein Problem wie die Abrechnung mit europäischen Kunden. Die größte Steueroase der Welt – die USA – wird eben nicht als solche wahrgenommen.

Doch auch für eine LLC stellt sich die Problematik in den Geschäftskonto, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Die Probleme habe ich in meinen vergangenen Artikel über das Atlas Stripe Ptogramm mit Delaware Corporations bereits zusammengefasst.

Denn dank Offshore-Vermeidungsgesetzen wie den Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA) wollen Banken weltweit kaum mehr mit US-Personen – und dazu gehören auch rein von nicht ansässigen Ausländern geführte LLCs – zu tun haben. Demnach ist es für eine LLC fast unmöglich außerhalb der USA ein Geschäftskonto zu eröffnen. Erst ab hohen Umsätzen (ca. 200.000$) oder Einlagen (50.000$) ist es den meisten Banken den Mehraufwand am zusätzlichen Reporting wert eine Eröffnung in Betracht zu ziehen.

 

Nachdem FATCA mittlerweile ein paar Jahre Realität ist, beginnen sich die Banken jedoch darauf einzustellen und wieder offener zu werden. Bis auch kleinere LLCs eine Chance bekommen wird jedoch noch gewisse Zeit vergehen.

 

Und warum kein Konto in den USA? Auch das wird von einer LLC schwierig zu bekommen sein, sofern es sich um eine reine Briefkastengesellschaft handelt. US-Banken benötigen eine Steuernummer (EIN) und verlangen  den Nachweis wirtschaftlicher Aktivität in den USA. Das bedeutet für die LLC aber wiederum Steuerpflicht auf US-Gewinne (30%) und Buchhaltung auf die gesamten weltweiten Einnahmen. Auch setzen Banken persönliche Anwesenheit voraus, was eine Einreise in die USA unerlässlich macht.

 

Mit Buchhaltungspflicht und zwingend größeren Einnahmen aus den USA, die einen Konten-Eröffnung erst möglich machen, hat jedoch Delaware seinen größten Vorteil verspielt. Ähnlich wie Hong-Kong gibt es dann meist bessere andere Alternativen.

 

Im Gegensatz zu Hong-Kong sind zumindest Geschäftskonten weiterhin für Delaware möglich, wenn man die langjährigen Kontakte von Offshore-Agenturen benutzt. Staatenlos konnte bereits eine entsprechende Lösung für Inhaber von US-LLCs organisieren, das ihnen Zugriff auf ein Geschäftskonto in Europa oder der Karibik ermöglicht. Inbesondere für Neu-Gründer oder enttäuschte Altinhaber kann dies eine veritable Möglichkeit sein von der eigentlich nicht schlechten Jurisdiktion Delaware doch noch zu profitieren. Interessenten senden dafür bitte eine persönliche Anfrage.

Zu achten ist jedoch auch hier auf mangelnde Nutzbarkeit von Zahlungsdienstleistern wie Paypal und Stripe. Allerdings gibt es gangbare Lösungen die Auszahlungen über Privatkonten in den USA zu organisieren, die mit kleinen Tricks relativ leicht zu bekommen sind (mehr dazu in einem anderen Artikel). Auch bietet Paypal in den USA etwa die Auszahlung durch Schecks an – was freilich in der Praxis meist auch unpraktikabel ist.

Im Endeffekt bieten sich mit einer Delaware LLC also immer noch weit mehr Möglichkeiten als mit einer Hong-Kong Limited. Allerdings sollte man dabei in Betracht ziehen, dass Delaware unter den US-Staaten nur zweite Wahl für eine LLC ist. Delaware ist auch insofern eine Mogelpackung, als das die gleichen Vorteile zu einem viel günstigeren Preis im Bundesstaat Wyoming genossen werden können. Dort zahlt man nur 150$ statt 1500$ für die Gründung (min. 500$ in Delaware richtig gemacht) und kommt mit jährlichen Kosten von 100$ statt 500$ aus. Delawares einziger Vorteil liegt in einem flexibleren Unternehmensrecht, das jedoch vor allem auf Börsengänge abzielt – nichts was der durchschnittliche Online-Unternehmer für sich jemals mit Offshore-Firmen in Erwägung zieht.

Zwar stellt sich in Hinsicht der Konten dasselbe Problem wie mit einer Delaware LLC, allerdings macht das niedrige Kostenprofil eine Wyoming LLC auch für diejenigen interessant, die ihre Geschäfte weiterhin über Privat-Konten in ihren Besitz abwickeln wollen. Wer direkt kleinere Summen abrechnet oder Produkte über einen Drittanbieter vertreibt, der kann sich seine Kommission je nach Bank oft auch problemlos auf Privat-Konten auszahlen lassen. Beachten sollte man aber dabei etwa den Wegfall von Vorteilen des Vermögensschutzes, da das Privat-Konto ja nicht mit der LLC verbunden ist. Auch ist es nicht unwahrscheinlich, dass Banken bei vielen und/oder hohen Transaktionen dieser Praxis irgendwann den Riegel vorschieben.

 

Als Übergangslösung an Offshore-Firmen – und das ist es auch für Staatenlos und viele weitere Kleinunternehmer – ist eine Wyoming LLC mit Privat-Konten aber prima geeignet.

 

Was viele Gründungsagenturen übrigens verschweigen: mit einer US-Gesellschaft im Besitz muss jeder Wirtschaftlich Berechtigter, auch wenn er sonst nichts mit der USA am Hut hat, einmal jährlich seine weltweiten Auslandskonten (ab einer kombinierten Summe von 10.000$) offen legen. Da anzunehmen ist, dass die USA dank FATCA ohnehin den Durchblick haben, braucht dies einen nicht groß zu stören. Das nötige FBAR-Formular auszufüllen ist online möglich und dauert nur wenige Minuten einmal im Jahr.

 

Wofür sich auch heute noch Offshore-Firmen in Hong-Kong und Delaware eignen

Wie bereits angeklungen ist sind Offshore-Firmen in Delaware und Hong-Kong wegen fehlender Nutzbarkeit mit Geschäftskonten zwar Mogelpackungen für einige, bieten jedoch auch durchaus noch gute Möglichkeiten für andere Unternehmen.

 

Inbesondere der typische Digitale Nomade sollte sich jedoch von Hong-Kong fernhalten und eine der vielen alternativen Lösungen in Betracht ziehen, über die ich hier regelmäßig berichte.

 

Delaware kann hingegen durchaus Sinn für alle machen, wenn sie nicht den amerikanischen Markt bedienen. In dem Fall sollte aber auch die günstigere Alternative Wyoming in Betracht gezogen werden. Um überhaupt ein Geschäftskonto zu bekommen lohnt es sich auf eine professionelle Gründungsagentur zurückzugreifen, die auch heute noch in der Lage ist Geschäftskonten für LLCs und andere Offshore-Firmen zu vermitteln. Während niemals eine Garantie auf eine Eröffnung besteht, lassen sich die Chancen durch gute Kontakte jedoch merklich erhöhen. Bist Du daran interessiert, dann hinterlasse einfach eine Anfrage bei mir.

 

Hong-Kongs Nutzen ohne Geschäftskonto vor Ort ist aus in diesem Artikel beschriebenen Gründen aber mittlerweile merklich eingeschränkt. Weiterhin viel Sinn macht es für große Unternehmen, die sich die neuesten Anforderungen wie Umsätze über 500.000$, hohe Mindesteinlagen oder das richtige Geschäftsmodell leisten können.

 

Weiterhin kann sich Hong-Kong bei Import-Export-Geschäften mit Warenbezug aus China lohnen. Unter diesem Vorzeichen sind Konten meist auch noch mit niedrigeren Anforderungen vor Ort zu bekommen,

Alle, die nicht zwingend auf eigene Zahlungsabwicklung angewiesen sind, können natürlich auch weiterhin eine Hong-Kong Limited in Verbindung mit einem Geschäftskonto in Europa oder der Karibik nutzen. Ihnen sollte jedoch bewusst sein, dass sie damit einer relativ unvorteilhaften Lösung aufsitzen, die man ihnen nicht guten Gewissens empfehlen könnte. Steuerfreiheit ist zwar ein hohes Gut, aber Stress durch Buchhaltung, Audits und hohe Kosten von min. 3000€ jährlich lassen sich leicht vermeiden, wenn man andere Wege für Offshore-Firmen geht und nicht die Mogelpackung wählt.

 

Denn was über eine Hong-Kong Limited noch in vielerlei Artikeln im Umlauf ist, ist selten auch wirklich drin. Die Offshore-Welt wandelt sich einfach viel zu schnell.

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